Drachenstich in Furth

Hallo liebe Mitglieder

Ich war am Wochenende in Furth im Wald zum Drachenstich.
Nein, hier geht es nicht darum die liebe Schwiegermutter um die Ecke zu bringen, sondern um das älteste deutsche Volksschauspiel! Vielleicht kann ich Euch ja den Mund wässrig machen und wir fahren da mal zusammen hin?

Animiert und eingeladen wurde ich dazu von einer lieben netten Disponentin für deren Firma wir Zulieferer sind. Die war so nett und hat mir auch gleich eine Unterkunft im Hotel Steinbruchsee organisiert. Ein Hotel, daß mir sehr gefallen hat und das man als Unterkunft für Motorradausflüge in die Gegend nur weiterempfehlen kann. Die Eintrittskarte für das Schauspiel hatte ich mir zuvor schon im Internet besorgt.

Ich kam da also am Samstag um ca. 13.00 Uhr an und habe das Zimmer im Turm ganz oben bezogen. Wollte schon fragen ob Rapunzel auch noch kommt. *fg*
Also flugs aus den Motorradklamotten, etwas abgefrischt, Ausgehklamotten angezogen und runter zum Essen. Wir hatten uns dazu verabredet. Dabei bekam ich schon einiges zum Ablauf des Wochenendes erklärt.

Ich kann Euch sagen, da ist jede Menge los in Furth im Wald und ich glaube es gibt hier keinen der nicht am Schauspiel teilnimmt oder irgendwie dabei ist. Im Vorfeld hat Sie mir schon gesagt, daß ich die Möglichkeit hätte, am Sonntag beim Umzug, in einer Hellebardengruppe mitzugehen wenn ich denn Lust dazu hätte. Na sowas kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Immer wieder mal was neues!
Aber eins nach dem anderen…

Ich bekomme eine Stadtführung und darf mir auch die Schminkstube ansehen, in der die Darsteller für Ihren Auftritt zurechtgemacht werden. Furth im Wald ist auch ohne Drachenstich eine Reise wert. Viele alte Gebäude sind erhalten geblieben und werden instandgehalten. Irgendwie haben die Further einen Hang zu kräftigen Farben (siehe Bilder), jedenfalls hatte ich den Eindruck. Nach einem ersten Rundgang habe ich die Gelegenheit noch eine Runde alleine zu drehen. Wir verabreden uns für später im Cafe Rathaus.

Dort werde ich mit Feldhauptmann Uli bekannt gemacht der mich am Sonntag unter seine Fittiche nehmen wird. Es ist die Gruppe Arma Georgii bei der ich bei dem Spektakel mitmachen darf. Dazu später mehr. Der Abend rückt näher und der Platz füllt sich. Immer mehr verkleidete Mitspieler tauchen auf. Endlich wird es Zeit in die Arena zu gehen. Zwei Stunden dauert das Spektakel, daß jeden Euro wert ist. Von der Geschichte möchte ich hier nicht viel erzählen, dazu steht genug im Internet. Es ist einfach nur beeindruckend was hier als „Volksschauspiel“ geboten wird. Und wie immer besiegt Ritter Udo den Drachen.

Nach dem Schauspiel ist in Furth im Wald „Freinacht“. Bis um Drei Uhr früh haben hier, offiziell, alle Kneipen, Cafes und Wirtshäuser offen. Nur das da keiner auf die Uhr schaut und so mancher erst in der Morgendämmerung heimkehrt. Ich verschwinde so umara zwei Uhr früh, bin ziemlich erledigt vom langen Tag und will ja am Sonntag fit für den Umzug sein.

Sonntag früh noch kräftig gefrühstückt und gleich in die Klamotten geschlüpft, die ich am Vortag schon erhalten hatte. Oh mei, da komme ich ja jetzt schon ins Schwitzen. Is des der Winterkampfanzug? Zu meinem Gewand gehören eine Art Jogginghose aus Flanellähnlichem Stoff, ein weites Hemd, eine dicke Stoffjacke (soll wohl die Hiebe abschwächen), eine Ledergugel, eine Mütze, die Schuhe und ein Helm. Der Helm, aus 2 mm dickem Stahlblech, alleine wiegt schon bald 3 Kilo! Nach Angaben seines Besitzers, der mir seinen Anzug geliehen hat, kann man damit leicht ein paar Schläge abwehren.

So steh ich da und schwitze leicht vor mich hin bis mich das Taxi am Hotel abholt und nach Furth ins Cafe Rathaus bringt. Hier treffe ich auf Uli und ein paar seiner Freunde.
Noch ein kleiner Umtrunk und es geht zu Ihrem Aufstellplatz ganz in der Nähe. Hier bekomme ich eine erste Einweisung und eine Hellebarde in die Hand gedrückt. So ein Hellebardenblock besteht aus dem Feldhauptmann, einem Leutnant, einem Hurenweibl (Lacht nicht, nicht was ihr denkt *fg*) den Hellebardieren und dem Troß.

Der Troß hat die Aufgabe die Hellebardiere zu versorgen, in unserem Fall ziehen die Mädls in einem Leiterwagen geschätzt 100-150 Liter Wasser mit. Der „Hurenweibl“ ist der Chef des Troßes. Während des Marsches werden immer wieder Pausen eingelegt um die Kämpfer zu „tränken“. Und bei dem sonnigen Tag heute, schwitzt man wohl mehr aus als man zu sich nimmt. So ziehen wir los um das gemeinsame Marschieren und ein paar Aufstellungen zu üben. Ich bekomme da natürlich eine extra Einweisung und meine Nachbarn ziehen mich immer mit. Ganz schön anstrengend. Es wird eine Runde durch die Further Innenstadt gedreht. In der Arena wird dem anwesenden Publikum zu Geschichte, Taktik und Waffen ein Vortrag gehalten.

Im Anschluß ist dann erst mal eine Stunde Mittagspause. Dazu wurde für uns in einem Biergarten Plätze reserviert und das Essen vorbestellt. Jetzt wird es langsam ernst! Es geht zum Aufstellen für den großen Umzug. Wieviele Menschen hier mitwirken kann ich nicht sagen, es sind aberhunderte. Es sollen alleine 300 Pferde mit dabei sein. Es geht los, leider stockt es immer wieder. Tausende von Schaulustigen säumen die Straßen, jetzt nur keinen Fehler machen….

Wir marschieren und zwischendurch gibt es immer wieder mal den Befehl „Schützt den Troß“. Die mittlere Rotte läuft nach vorne und marschiert voran, in die entstandene Lücke rückt der Troß nach und ist damit von vorne, links und recht geschützt. Auf Befehl senken die linke und rechte Rotte noch ihre Hellebarden zum Schutz gegen die Angreifer. Nun noch ein bisserl böse in die Zuschauer schauen……
Na hoffentlich haben die sich ein wenig gefürchtet. *fg*

Immer wieder werden wir zwischendurch „getränkt“. Da weiß man erst wie gut das Wasser schmeckt, wennst schwitzt wie ein Ochs‘. Fast am Schluß unseres Weges geht es ein Bergerl rauf, da ging mir dann doch langsam aber sicher der Schnauf aus. War ich froh wieder in der Ebene des Stadkerns zu sein, der Blick und der Weg führen uns in die Arena. Nach der Arena ist für uns dann Schluß und wir kehren zurück zum Materiallager der Arma Georgii. Alle sind k.o. Vor allem die mit den Rüstungsteilen, die ja noch zusätzliche 15-20 Kg rumtragen sind knallrot vor Anstrengung und Hitze.

Wir verabschieden uns und ich gehe noch ins Cafe Rathaus um noch Flüssiges nachzufüllen und mich zu erholen. Zwischenzeitlich geht es auf die Nachmittagsveranstaltung um 15.00 Uhr zu. Heute werde ich mir mal das Antraben der Wagen vor der Arena ansehen. Die donnern mit ihren Wagen durch die Arena als wäre der Teufel hinter Ihnen her, dazwischen noch die Reiterei. Und es ist beeindruckend wie die Pferde aus dem Stand die Wägen beschleunigen, das donnert und rumpelt.

Ich besorge mir ein Taxi und fahre zurück zum Hotel, regeneriere mich noch ein wenig bei einer Brotzeit und trete den Heimweg an. Mit ein paar Pausen bin ich Sonntag Nacht fast um 22.00 Uhr wieder zuhause.

Auf diesem Weg bedanke ich mich noch mal recht herzlich bei Feldhauptmann Uli und seinen Mannen von Arma Georgii daß ihr mich mitgenomen habt.

Außerdem geht mein ganz außerordentlich herzlicher Dank an Katrin O., die mir dieses tolle Abenteuerwochenende ermöglicht hat!

(Hoffentlich habe ich nicht allzuviele Fehler im Text, möget ihr mir verzeihen und nicht gleich den Kopf abreißen.)

Euer Ernstl

 

Ernstl

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